Usability-Test

durchgeführt
im November 2011
von

Hintergründe
Mit mymigel.ch soll in Kürze die aktuelle, neutrale und unabhängige medizinische Hilfs- und Verbrauchsmittelplattform aufgeschaltet werden. Als Ergänzung zur mymedi.ch, der Medikamentenplattform soll mymigel.ch das Angebot im medizinischen Bereich erweitern.
Die Website wurde neu gestaltet und befand sich zum Zeitpunkt der Befragung (November 2011) in der Test-Phase. Daher wollten die Betreiber gerne wissen, wie ausgewählte Testpersonen aus der Generation 50plus die neue Seite beurteilen. Beurteilt wurden dabei beide Plattformen (mymigel.ch/mymedi.ch) als Ganzes.
Teilnehmende
Die Teilnehmenden des Usability-Tests rekrutieren sich aus den Reihen der terzScouts. Zur Teilnahme eingeladen wurden 24 Personen, den Test vollständig mitgemacht haben 21 Personen.
Diese Zahl bildet die jeweilige Grundgesamtheit der Antworten, die im folgenden Bericht aus Gründen der Anschaulichkeit in Prozentwerten abgebildet werden.
1. Ersteindruck
Zunächst wurde ein erstes Pauschalurteil erhoben:
Fazit: Der erste Gesamteindruck ist überwiegend positiv, aber keineswegs enthusiastisch.
Dies wird bestätigt von den Einzelmeinungen, die auf diese Frage abgegeben wurden:
Welche spontanen Gedanken hatten Sie beim ersten Betrachten des Webauftrittes?
frische Farben
An wen richtet sich die Website, an Laien oder Fachpersonen? Als Laie habe ich Mühe mit teilen der Terminologie und bin unsicher, ob ich die Website inhaltlich überhaupt beurteilen kann
Kompliziert übersichtlich
mymigel ; der Name lässt sich schwer in meiner analogen Gehirn Ablage abspeichern,
modern, kompetent
Endlich etwas Licht in den Dschungel der medizinischen Preise!
übersichtlich, klar strukturiert, sprachlich teilweise etwas umständlich, grafisch trocken und zurückhaltend, mögliche Abhängigkeit von Partnerfirmen und Sponsoren nicht offen gelegt
Zwei in einem Auftritt, so kann man gut wählen.
gut strukturiert, weiss nicht, was die gross geschriebenen Titel am Ende der seitlichen Menueleiste bedeuten
langsam aber übersichtlich vertrauenswürdig und klar kommuniziert luftig, freundlich, ansprechend Uebersichtlich. Einfache Handhabung. HOM Code fehlt
Etwas viele Informations-Links, aber übersichtlich. Die Schrift ist vielleicht etwas klein. Gerade an der Grenze zur guten Leserlichkeit.
Unruhig
Ueberladen
klar, gut lesbar, ausser Teil links unten
Als nächstes wurde mit einer vorgegebenen Liste gefragt:

Wenn die terzStiftung aufgrund von Tests ihr Label vergibt, muss die Bewertung in den wichtigen Dimensionen einen Wert von mindestens 7.0 auf der Zehnerskala erreichen. Dies ist hier nur ansatzweise oder knapp der Fall. Die hier erreichten – zwar positiven, aber doch zurückhaltenden – Werte lassen nur einen Schluss zu. Der Auftritt ist noch optimierbar.
2. Navigation
Auch zur Beurteilung einzelner Aspekte des Webauftritts wurde jeweils eine zehnstufige Skala verwendet:

Und wieder ist der Eindruck eher durchzogen: Wohl liegen alle Noten im positiven Bereich, doch alle könnten noch deutlich besser sein. Das gilt auch hier:

Nachfolgend wörtlich die Liste der Statements, die zum Thema Navigation geäussert wurden:
Der Herstellername (Zulassungsinhaber?) ist nur etwa zu einem Drittel lesbar, die Kat. überhaupt nicht. es hätte Platz, das Feld breiter zu machen.
Wenn ich im linken Teil ein Stichwort auswähle, ändert sich die Reihenfolge der Stichworte. Das irritiert, und wenn man weder Lust noch Zeit hat, das ursprüngliche Stichwort wieder zu finden, hört man einfach auf – ‘s hänkt aim uus… Sorry
Packungsgrössen besser hervorheben um besser Apfel mit Apfel zu vergleichen. zu langsam, nicht alle Aerzte auffindbar !
Die verschiedenen Schriftgrössen sind verwirrlich.
Bei der Arzt suche kommt z.B. mein Hausarzt gar nicht; vielleicht weil der Name Thomas ist und dies nicht als Vorname. Auch kommen diverse Kantone obwohl ich Kt. Zürich angeklickt habe. Für mich etwas verwirrend.
die unteren Menuefelder (ausserhalb der Struktur) sollten einen eigenen Titel haben (z.B. Suche im Internet)
Linke Spalte unterer Teil wirkt unruhig. Die angezeigten Seiten sollten auf eine Bildschirmanzeige passen. Nach unten blättern nur bei wirklich vielen Angaben notwendig machen. Durchschnitts-Bildschirmgrösse berücksichtigen. Designer haben meist sehr grosse Bildschirme, auf welchen dann eben alles Platz hat.
Irgendwie etwas langweilig, aber lieber langweilig als hektisch und zu kunterbunt. Rückfrage: wurde die gesamte Website auch auf die Verträglichkeit für schlecht Sehende geprüft? Es gibt dazu vom Blindenbund extra eine Anleitung und wenn ich mich richtig erinnere, auch eine Testmöglichkeit.
3. Grafische Gestaltung


Das Meinungsbild wiederholt sich: Die Werte sind weder schlecht noch richtig gut. Allerdings sind die Beurteilungen bei den Attributen der Gestaltung etwas gnädiger als sonst.
Auch hierzu wurden zusätzlich Einzelmeinungen geäussert:
Sie meinen wohl ‘schwerfällig’, nicht schwermütig… Ist es nicht, wie schon erwähnt, eher zu ‘luftig’ = unruhig.
an einem Gesamtkunstwerk darf man nicht “rumkluttern”.
Die Farben von mymedi und mymigel beissen sich. Ich weiss auch nicht, für was mymigel steht.
Bitte keine kleinen Schriften, die zuerst vergrössert werden müssen. Auch wenn dies zulasten der Grafik und Grösse / Länge des Textes geht.
In der Überschrift wird der Text durch mymedi überschrieben (Browser Mozilla). Ich liebe einfache Auftritte ohne Schnörkel, konzentriert auf das Wesentliche. Die Demoversion (alte Version?) Im Detail zu einem Medikament gibt es den Button zurück, da ist die Antwort recht lange Bei der Medikamentenliste ist rechts eine menge ungenutzter Platz, da könnte das Fenster breiter sein
Die Farbwahl ist gut – wenig grelles und blinkendes, was ü-60ger kaum mögen. Besonders Rot ist meist für ältere Augen schlechter leserlich (ermüdend).
Bilder hat es eher weniger. finde ich gut. Braucht es auch nicht. Arbeit mit Logos finde ich gut, denn so arbeite ich beispielsweise gleich mit dem Erkennungseffekt. Gewisse Logos rufen bei mir auch automatisch eine gewisse “Seriosität” als Erkennungseffekt ab.
4. Funktionalität der Suchfunktion

Auch bei der Funktionalität der Suchfunktion erreicht kein Einzelaspekt den Mindestwert von 7.0, alle Aspekte liegen leicht oder deutlich darunter, was ebenfalls auf Verbesserungspotenzial hinweist.
Die wörtlichen Statements dazu:
mymedi ist gut, bei mymigel ist kein Vergleich vorhanden.
Eher langsam. Beispiel: Eingabe “Enalapril”, es dauert 15 sec zum Ergebnis, dann such ich aus der gleichen Maske heraus z.B. “Alcacyl”, es dauert 25 sec
Nach dem Wechseln auf den FAGS-Link im rechten Teil der mymedi.ch-Seite konnte ich nicht zurück, es wurde immer wieder FAGS angezeigt.
Da verschiedene Suchbegriffe noch keine Resultate brachten, war es unmöglich die
Frage 10 korrekt zu beantworten. Sorry!
Die Erklärungen der Symbole listet nicht auf, was die schwarze Schrift bedeutet. Ein grauer Hintergrund auf Grau ist nicht sehr kontrastreich. Auch ist schwarze Schrift auf dunkelgrau auch nicht gut lesbar
Geschwindigkeit der Weiterleitung relativ gut. Sortierbarkeit der Suchresultate?
habe ich nicht gemerkt/gefunden.
mit den Suchresultaten kann ich auf den ersten Blick wenig anfangen, verwirrend.
5. Inhalte der Website

Insgesamt fällt die inhaltliche Beurteilung etwas besser aus als der Rest. In diesem Bereich könnte das terzLabel ganz knapp verliehen werden, wenngleich natürlich auch hier noch bessere Noten wünschbar wären.
Zum Inhalt kamen diese Anmerkungen:
Die Kenn-Buchstaben sollten nicht nur am Schluss der Liste sein. Spaltenbe- schriftung fixieren, so dass bis unten ersichtlich ist, in welcher Spalte was ist.
Für Laien: statt “galenische Form” besser “Verabreichungsform” oder so. Ich habe vor allem etliche Schreibfehler – von fehlenden Buchstaben über Orthographie-Fehler bis zur uneinheitlichen Gross-/Kleinschreibung gesehen.
Für Laien gewöhnungsbedürftig, wenn man sich aber damit beschäftigt, kann man sicherlich nützliche Antworten finden (gilt für Medikamententabelle). Das Suchfenster ist etwas schmal
Habe versucht, die italienische Version anzuklicken….. Ich suche immer noch :-( Ich habe 2-3 Versuche gemacht, aus einem Text heraus die franz. Fassung zu suchen. Schade, da muss man sich jeweils erneut durchklicken. Da lobe ich mir die Website www.admin.ch, wo man aus einem Text heraus die andere Sprache anklicken kann und gleich im selben Text, aber in der anderen Sprache landet. Ist äusserst praktisch für Leute, die in den beiden gewählten Sprachen leben oder arbeiten. Ich selber lebe zwischen deutsch (Muttersprache) und ital. (Wohnort). Da sind solche Details äusserst praktisch, wenn man sich hin- und herbewegt.
6. Abschluss
Zum Abschluss der Befragung wurden noch Daten zu Betriebssystem, Browser und Smartphone-Nutzung gestellt, deren Antworten für sich selber sprechen:



Und ganz zum Schluss konnten die Testteilnehmer noch abschliessende
Bemerkungen machen:
In der Suchfunktion “Preisvergleich; usw” Generika zusätzlich. Bei Hilfsmitteln fehlt die Auswahl verschiedener Produkte (Krücken z.B. nehme ich an, dass es mehrere Marken/Hersteller gibt).
Name kann nicht mit Gesundheit in Verbindung gebracht werden. Viel Glück und Erfolg mit mymigel.ch!!!
Müsste eigentlich stark in den Medien erwähnt werden damit ein möglichst grosser Nutzen entsteht. Könnte auch zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen beitragen.
Das Schulungsvideo ist etwas schnell, ich kann kaum den ganzen Text lesen, die Musi Mausbewegungen sind manchmal zu schnell. Von der Hilfe in Medigel führt direkt zu Mymedi der Mymediblog fällt aus der Reihe. Das Menue mymedi führt nicht zu Home
HOM Code einfügen!
ich habe eigentlich alles sofort erwähnt, wenn es an der Reihe war. Ich empfinde die Website als relativ brav, nicht sehr aufregend. Aber ich schaue sowieso eher auf den Inhalt als auf Schnickschnack. Wichtig ist mir immer, dass sich Links und interne Weiterleitungen rasch öffnen, sonst werde ich ungeduldig und unterbreche eine Recherche relativ rasch. Wichtig ist mir auch, dass ich Inhalte einfach heraus kopieren und/oder drucken kann. Täusche ich mich oder habe ich falsch gesucht?
bei der einfachen Medi-Eingabe gleich zu Beginn werden Generika nicht angezeigt. ich habe bewusst ein Generikum gewählt als Probesuche. Gäbe es vielleicht einen Newsletter für die News? falls es denn etwas mehr wären? Ich könnte mir einen solchen “Pressedienst” mit interessanten Zeitungsartikeln vorstellen. Es hat schon welche, aber eher zu wenige. Ich denke da beispielsweise an netdoktor.at, die in ihrem Newsletter immer interessante Kurzartikel aufschalten. So etwas fände ich gäbig. Ich weiss, es ist eine Medi-Website und trotzdem – da Santésuisse, BAG & Co. dabei sind – wünschte ich mir auch Infos zu Hilfsgeräten/Hilfsmitteln (Pflegehilfen, Stützstrümpfe, Rollatoren etc. etc.), denn das ist – aus meiner Sicht – punkto Krankenkasse immer noch ein Buch mit Sieben Siegeln… Leider. Was wird übernommen? was nicht? Wie sind die geltenden Regeln in der Grundversicherung? etc. Weitere Infos könnte ich erst geben, wenn ich noch viel mehr Zeit ins Pröbeln investieren könnte. Eigenartig, beim Startervideo werden auch Generika vorgestellt. Die Tabelle ist sehr informativ, aber wenn ich einfach anfangs das Stichwort Ecofenac eingebe (mein Test-Medi), kriege ich keine Antwort.
Gesamteindruck
In allen Teilfragen zieht sich wie ein roter Faden der Befund durch, dass zu testenden Websites ziemlich lau bewertet werden: wohl nirgends wirklich schlecht, aber auch nirgends wirklich gut.
Referenzwerte stehen leider noch keine zur Verfügung, doch ist die für das terzLabel festgelegte Grenze eines Minimalwerts von mindestens 7.0 pragmatisch abgestützt. Diesen Wert erreicht das Testobjekt nur selten.
Insgesamt wurde in allen Dimensionen ein beträchtliches Verbesserungspotenzial ermittelt. Abgesehen von einigen Einzelmeinungen liefert dieser Usability-Test keine konkreten Hinweise auf die Art der gewünschten Verbesserungen, seine Rolle beschränkt sich auf diejenige eines Diagnoseinstruments.
Vorgeschlagen wird, diese Diagnose in absehbarer Zeit zu wiederholen, um feststellen zu können, ob und wie allfällige Verbesserungen von den (älteren) Nutzern wahrgenommen werden.



