Wie steht es in der Schweiz um die richtige Ernährung? In vielen Fällen ist sie gerade im höheren Alter nicht mehr gegeben! Das hat unter anderem eindrücklich eine im Auftrag des «Kassensturz» durchgeführte Analyse der Nahrungsmittelangebote in Altenheimen und Seniorenresidenzen ergeben. Danach waren 30–40% der Senioren bezüglich der Versorgung mit Mikronährstoffen (dazu gehören Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) unterversorgt, weitere 30% standen kurz davor.
Mit Mikronährstoffen unterversorgt
Der ältere Mensch hat einen geringeren Kalorienbedarf, isst deshalb üblicherweise weniger und nimmt damit insbesondere auch weniger Mikronährstoffe auf, die er gerade in diesem Lebensabschnitt eigentlich dringend benötigt. Darüber hinaus ist unsere heutige Ernährung gekennzeichnet durch eine immer geringere Konzentration dieser Substanzen. Oftmals ist es deshalb einfach nicht möglich, Mikronährstoffe in ausreichender Menge mit normalem Essen zuzuführen. Dies führt dazu, dass selbst die sogenannten akutgeriatrischen Abteilungen an den Universitätskliniken heute vermehrt empfehlen, den Mangel durch gezielte Supplementierung auszugleichen. Vernünftigerweise sollte dazu aber eine Analyse des Blutes im Vorfeld erfolgen, um tatsächlich diejenigen Substanzen zu ersetzen, die auch fehlen. Immerhin kann in Einzelfällen eine ungezielte Einnahme auch zur Überdosierung führen, die dann gegebenenfalls sogar negative Auswirkungen auf die Gesundheit erwarten lässt.
Genügend Eiweiss zu sich nehmen
Bei den so genannten Makronährstoffen (Eiweiss, Fett, Kohlenhydrate), die der Energieversorgung dienen, ist es besonders wichtig, dass der ältere Mensch genügend Eiweiss zu sich nimmt. Auch hier ist es möglich, die Eiweisskonzentration beispielsweise im Blut zu bestimmen, um über den Versorgungszustand Auskunft zu erhalten. Insgesamt sollte sich die Ernährung des älteren Menschen durch einen reichlichen Anteil an frischem Obst, frischem Gemüse und frischen Salaten auszeichnen und regelmässig hochwertiges Eiweiss in Form von hellem Fleisch (beispielsweise von Hühnchen), Fisch, aber auch zum Beispiel Milch und Sojaprodukten enthalten.
Dr. med. Roland Ballier (leitender Arzt der Berlinger Fachklinik Seeblick)
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